Umgebung der Pension Berlin

Der Lietzensee ist der größte See Charlottenburgs. Nach der letzten Eiszeit (Weichsel-Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren) bildete sich eine Gletscherwasser-Abflussrinne, die Grunewald-Seenkette. Durch zurückbleibende sog. Todeisblöcke wurden im Abstand zueinander Mulden in die Sedimentäre Sand- und Kiesbedeckung eingedrückt und in die Tiefe gespült. So entstanden Nikolassee, Schlachtensee, Krumme Lanke, Grunewaldsee, Hundekehlesee, Dianasee, Königssee, Herthasee und Halensee. Der ehemals ungeteilte Lietzensee ist etwa 800 m lang und 80 m breit und bis 4 m tief. Gleich neben dem Haus „See-Eck‟, in dem sich die „Belle Etage̶e; befindet, zeugt ein riesiger Findling, ein Stein, der auf den Eismassen vom skandinavischen Gebirge bis ins heutige Berlin verfrachtet wurde.

Der Name Lietzensee durchlief eine umfangreiche Entwicklungsgeschichte: Nach dem Abtauen der letzten Eismassen dauerte es noch Jahrtausende bis das Land von Menschen bewohnt wurde. Große Sumpfgebiete, ausgedehnte Wälder mit dichtem Unterholz und unwirtliche Steppen prägten die Landschaft.

In der Steinzeit schienen sich Menschen am Lietzensee angesiedelt zu haben. Davon zeugen Funde steinerner Waffen, wie Lappenkeile, die gegen 1900 während der Umbauung des Sees in Kieshügeln gefunden wurden. Während der Bronzezeit (etwa 1000 v. Chr.) lebten vermutlich Bauern am Lietzensee, die Bronzegeräte und -waffen sowie Urnen mit Resten verbrannter menschlicher Knochen zurückließen. Dann aber lag der See wieder Jahrhunderte unberührt und still im Grunewald.

Seit 1314 befand sich nordöstlich des Sees das kleine Dorf Lütze, das aus einem Hof Lusce entstanden war. Der Name kommt von dem slawischen Wort „luccina‟ und bedeutet Sumpfgebiet oder Lache. Unterschiedliche Schreibweisen des Dorfnamens werden überliefert, u. a. Lucene, Luzen, später Lützow und Lietzow.

Der Markgraf von Brandenburg Johann I. und Otto III. hatten ihren Hof 1239 dem in Spandau gegründeten Nonnenkloster St. Marien geschenkt, ein ziemlich großes Gelände mit Wasser und Weiden. Auch der Lietzensee gehörte dazu, der das Kloster fortan mit Fischen versorgte. Von diesem Lütze hat der Lietzensee seinen Namen. Er hieß der Lützer See, später Lützensee, etwa seit Ende des vorigen Jahrhunderts nur noch Lietzensee (Fritsch, Irene 2001; Leben am Lietzensee)

Lützow war eines von vielen kleinen, bedeutungslosen märkischen Dörfern, die abseits der breiten Heer- und Handelsstraßen lagen. Es leistete jahraus, jahrein dem Kloster seine Abgaben und später, nach Einführung der Reformation und Schließung des Klosters, dem jeweiligen Besitzer.

Das Ende der Abgeschiedenheit erfolgte 1695. Kurfürstin Sophie Charlotte (1668-1705), die an diesem malerischen Winkel an der Spree Gefallen gefunden hatte, ließ sich das Dorf Lützow mit allen seinen Ländereien von ihrem Mann übertragen, dem Kurfürsten Friedrich III. (1657-1713), seit 1701 König Friedrich I. in Preußen. Weil die Einnahmen aus dem Dorf aber zu gering waren – Sophie Charlotte musste damit die Ausgaben für ihren persönlichen Bedarf decken – bekam sie u. a. noch den Lietzensee mit allen Fischereirechten.

Die Kurfürstin ließ auf ihrem neuen Besitz nach den Plänen des kurfürstlichen Oberhofbaumeisters Arnold Nehring ein hübsches Landhaus bauen, das nach Nehrings frühem Tod, Martin Grünberg und Eosander von Göthe vollendeten. Am 11. Juli 1699, dem Geburtstag des Kurfürsten, wurde das Schloss „Lützenburg‟ mit einem großen Feste eingeweiht, in den folgenden Jahrzehnten durch verschiedene Anbauten erweitert, bis es 1790 seine heutige Form erhielt, eine langgestreckte Flügelanlage mit einem quadratischen Ehrenhof. Unter dem Einfluss Sophie Charlottes, einer hochkultivierten Prinzessin aus Hannover, mit vielseitigen künstlerischen, wissenschaftlichen und philosophischen Interessen, entwickelte sich um 1700 Schloss Lützenburg zum ersten Musenhof in Preußen.

Ganz überraschend starb 1705 Sophie Charlotte, nur 37 Jahre alt. Zu Ehren der Toten nannte der König nun ihr Sommerschloss „Charlottenburg‟, ebenso den kleinen Ort, der sich um das Schloss zu bilden begonnen hatte. Dieser Ort wuchs durch die Stadtrechte des Königs und seiner günstigen Abgabenbedingungen, so dass er 1711 66 Häuser zählte. Im gleichen Maße, wie Charlottenburg wuchs, nahm die Bevölkerung des Dorfes Lützows ab. 1720 schließlich wurde es in Charlottenburg eingemeindet.

Obwohl der Lietzensee nur ein paar hundert Meter vom Schloss entfernt lag, war er noch lange Zeit nicht in das Stadtgebiet einbezogen.

Ab 1824 ging der Lietzensee in Privatbesitz des persönlichen Beraters des Königs, Friedrich Wilhelm III, General Hiob Wilhelm von Witzleben noch in Form der Erbpacht über.

1840 erwarb der Kunstgärtner, Forscher und Sammler Ferdinant Deppe den See mit umliegendem Park, um u. a. Dahlien zu züchten. über 50 Pflanzenarten wurden nach ihm benannt.

1861 ging der Lietzensee und der Park Witzleben für 15.000 Taler an den Gutsbesitzer und Holzhändler F. Schönemann, der die Erbpacht ablöste. Der Holzhändler wohnte auf der „Besitzung Witzleben‟, wie das Gelände im Charlottenburger Adressbuch genannt wurde. Er pflegte den Park sorgfältig, schmückte ihn mit verschiedenen Tempelbauten und Statuen und legte einen kleinen Wildpark mit Hirschen und Rehen an. Es kam zum Verkauf, nachdem im frei zugänglichen Park Raub und Wilderei überhand nahmen.

1871 erwarben die beiden Geschäftsleute Sobernheim und Pringsheim, „Banquiers‟ wie es im Adressenverzeichnis heißt, die „Besitzung Witzleben bei Charlottenburg‟ am Königsweg für nunmehr 150.000 Taler. Sie wohnten nicht mehr selber in den dekorativen Bauten. Von nun an ging es mit dem Park Witzleben bergab, es folgten Jahre des Verfalls aller Bauten und Statuen. Der verwilderte Park wurde der öffentlichkeit entzogen. Der Lietzensee begann zu verlanden.

1899 erwarb die „Terrain- Aktiengesellschaft Park Witzleben‟, eine der zahlreichen Baugesellschaften Berlins, den See und das dazu gehörige Gelände für nun bereits 5 Mio. Mark. Der hohe Preis zeigt deutlich, welche gigantische Wertsteigerung der Park mittlerweile erfahren hatte. Es wurde noch im gleichen Jahr ein Wettbewerb für die Bebauung des Areals ausgeschrieben. 1905 wurde der See durch einen aufgeschütteten Damm geteilt, um die Erschließung des gegenüber liegenden Ufers durch die Verlängerung der Kantstraße zu ermöglichen. Das Bestreben der „Terrain- Aktiengesellschaft Park Witzleben‟, alle Ufer des Lietzensees zu bebauen, hätte den Verlust des Parks bedeutet. In zähen Verhandlungen mit dem Polizeipräsidenten, der damals das Bauamt leitete, wurde ein Kompromiss erreicht, der den Charlottenburgern trotz der reichlichen, neuen Bauten einen ansehnlichen Park der heutigen Größe zur Naherholung bereit stellte.